Unser pädagogisches Verständnis

Viel Zeit brauchen wir nicht,
um uns an der Schönheit der unscheinbaren Dinge zu erfreuen,
aber ein offenes Auge, ein offenes Herz.

(Eva von Tiele-Winckler)

Wenn die Mädchen nach 4 oder 5 Jahren unser Haus verlassen und ihr Auge und ihr Herz offener geworden sind, dann war unsere Arbeit erfolgreich.

Unsere Werte

Dem pädagogischen Auftrag im Haus liegen ein ganzheitliches Lebenskonzept sowie das Wissen um die Bedeutung eines lebenslangen Lernens zu Grunde. Dafür möchte das Mädchenheim-Team einen Grundstein legen und das grundsätzliche Interesse am Leben und an den Mitmenschen, für andere Kulturen und gesellschaftlich relevante Themen wecken.

Auf ihrer Entwicklung vom Mädchen zur erwachsenen Frau möchten wir die Schülerinnen unterstützen, sich aktiv, mutig und kreativ für Gleichheit, Toleranz und Humanität einzusetzen. Dies erfolgt in einem Bewusstsein für die christliche Tradition des Hauses und verlangt von allen Angestellten und Bewohnerinnen die Offenheit, sich mit spirituellen Anliegen zu beschäftigen. Dies ist immer im Sinne eines weltoffenen und ökumenisch geprägten Religionsverständnisses zu verstehen.
Alle Angestellten sind in den Arbeitsbereichen Pädagogik, Küche und Raumpflege sowie Haustechnik und Sekretariat bemüht, das Wohlbefinden aller Bewohnerinnen zu stärken und für sie fern von Zuhause eine angenehme „Ersatzheimat” zu schaffen.

Mädchenarbeit

Die Mädchen wachsen in ihrer Schulzeit langsam aus der Abhängigkeit vom Elternhaus heraus und sind gefordert, ihre eigenen Ansichten und Überzeugungen zu weltlichen und spirituellen Angelegenheiten zu finden.
Auf diesem Weg möchten wir die individuellen Stärken der Mädchen bestmöglich fördern und in Diskussionen ihr Recht auf eigene Meinungsbildung und kritisches Denken wertschätzen. Nur so können sie in ihre Rolle als selbstverantwortliche Frau hineinwachsen, die umsichtig und lebensfroh ihren eigenen Weg geht und dabei das Wohl aller nicht aus den Augen verliert.

Die jährliche Wahl von fünf Jahrgangssprecherinnen hat daher den Sinn, dass die Mädchen eine eigene vertrauensvolle Vertretung innerhalb des Hauses haben. Die Jahrgangssprecherinnen haben in regelmäßigen Treffen mit der Heimleiterin die Möglichkeit, die Anliegen der Mädchen vorzubringen und zu besprechen. Um den neuen Mädchen den Einstieg ins Heimleben zu erleichtern, gibt es im Haus ein „Schutzengelsystem“, d. h. ein älteres Mädchen kümmert sich in der Anfangszeit darum, ein gutes Eingewöhnen zu ermöglichen.

Ein Ziel der Mädchenarbeit besteht darin, die Mädchen für feministische Anliegen zu sensibilisieren und ein Verständnis für die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft zu entwickeln. Dabei geht es um die vorurteilsfreie Wahrnehmung geschlechterspezifischer Stärken im Sinne einer wahren Gleichberechtigung, die weder auf patriarchalischen Strukturen, noch auf der Abwertung männlicher Lebensrealitäten beruhen kann.
Im Haus wird nach dem Motto „Was in unserer Sprache ist, ist auch in unserem Bewusstsein!” auf eine gendergerechte Sprache Wert gelegt.

Zusammenarbeit mit Schule und Eltern

Die Zusammenarbeit mit den Schulen ist ein wichtiger Bestandteil der pädagogischen Arbeit. Die pädagogischen Mitarbeiterinnen nehmen das Angebot von Sprechstunden wahr, um schulische Belange mit der zuständigen Lehrperson persönlich zu besprechen. Meistens sind wenige Treffen ausreichend, um ein umfassendes Bild zu den schulischen Leistungen verschiedener Mädchen zu erhalten. Dies ist notwendig, um mit den Schülerinnen einen passenden Lernfahrplan zu erarbeiten, wenn dies aufgrund von Lernschwierigkeiten nötig geworden ist. Das pädagogische Team ist stets bereit, sich für die Anliegen der Mädchen und ihren schulischen Erfolg einzusetzen.

Wenn eine intensivere Auseinandersetzung mit einem Mädchen aufgrund schulischer oder persönlicher Probleme wichtig erscheint, nimmt die Heimleiterin Kontakt mit den Eltern auf. Dies erfolgt nur, wenn die Betreuung der Schülerin nicht mehr im Rahmen möglich ist.

Wenn Themen vorliegen, die einen Meinungsaustausch erfordern, können sich die Eltern natürlich jederzeit vertrauensvoll an die pädagogischen Mitarbeiterinnen wenden. Psychische Probleme brauchen den ehrlichen Blick von mehreren Seiten und manchmal von außenstehenden Fachpersonen und dürfen niemals verharmlost werden. Wenn ein Mädchen zu Essstörungen neigt, bitten wir um einen offenen Austausch, um sie auf ihrem Weg in ein gesundes Essverhalten gut betreuen zu können.