Grundsätze unserer erzieherischen Arbeit

Auszug aus der Konzeption der Kindervilla Kravogl

In der modernen individualisierten Gesellschaft kommt Kinderbetreuungseinrichtungen eine neue kulturelle Funktion zu: Kinder sind auf Lebens – und Lernorte außerhalb der Familie angewiesen, um eine erlebnisreiche Umwelt zu haben, um Kontakte zu anderen Kindern und familienübergreifende Erfahrungen zu machen.

Familien brauchen Kinderbetreuungseinrichtungen, um Familie und Beruf vereinbaren zu können, aber auch zunehmend als Kommunikationsort und als Ort zum Aufbau privater Hilfsnetze.

Viele Kinder machen in ihrer Familie keine Geschwistererfahrungen mehr, die Wohnumgebung ist wegen des Straßenverkehrs als Spielraum für Kinder kaum noch geeignet, immer mehr Kinder haben allein erziehende Eltern, Spielkontakte werden von Erwachsenen für Kinder geplant, organisiert und beaufsichtigt.

Das Zusammenleben von Kindern verlagert sich zunehmend in Kinderbetreuungseinrichtungen.

In dieser Situation kommt der Institution eine wichtige Funktion für elementare Lernprozesse zu.

Kinder brauchen die Auseinandersetzung mit anderen Kindern.

Sie brauchen Lebensräume, in denen sie lernen können, ihren „Selbstwert“ zu entdecken, auf andere zuzugehen und Initiative zu ergreifen. Sie brauchen eine Umgebung, in der sie an der Gestaltung des Alltags beteiligt werden und in der sie lernen können, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Soziale Kompetenzen sind in unserer Gesellschaft für eine gelingende Lebensgestaltung außerordentlich wichtig.

Für viele Kinder ist die Kinderbetreuungseinrichtung ein wichtiger Ort geworden, wo sie andere Kinder treffen, wo Zeit und Raum für selbst gestaltetes Kinderleben da sein sollte, wo Erfahrungen möglich sein sollten, die frühere Generationen in der Geschwistergruppe, in der Nachbarschaftsclique, auf der Straße, jedenfalls außerhalb der kontrollierenden Blicke von Erwachsenen machen konnten.

 

Wir sind eine familienergänzende und familienunterstützende Einrichtung und begleiten Eltern für einen bestimmten Zeitraum in ihrer Erziehungsaufgabe. Dabei steht  das Wohl des Kindes im Vordergrund.

 

Da wir die Kinder ein Stück ihres Weges begleiten dürfen, liegt uns eine liebevolle Betreuung und Begleitung sehr am Herzen.

Ein Grundsatz unserer Arbeit ist, jedes einzelne Kind mit all seinen Stärken und Schwächen als eigenständige Persönlichkeit anzunehmen und zu respektieren.

 

Die Einrichtung ist ein Lebensraum, der zum aktiven Handeln und zur Mitgestaltung der Kinder anregt. Wichtig für uns ist, dass sich die Kinder aktiv und handelnd mit Bildungsangeboten auseinandersetzen und dass wir eine Balance finden zwischen gezielten Aktivitäten von unserer Seite und den eigenständigen und kreativen Prozessen der Kinder.

Kinder sind fähig zur Selbstbestimmung und können Verantwortung übernehmen, wenn Handlungsspielräume und Entscheidungsmöglichkeiten angeboten werden, die ihrem Entwicklungsstand entsprechen.

Kinder sind kreativ, unternehmungslustig und begeisterungsfähig. Sie brauchen aber  auch Freiräume, in denen sie nicht ständig von Erwachsenen kontrolliert werden.

 

Ausgangspunkt unserer pädagogischen Arbeit sind nicht nur Lebenssituationen und soziale Erfahrungen, sondern auch das Lernen im Alltag: im Alltag des Zusammenlebens Lernenswertes aufzuspüren.

 

Alltagslernen kommt auch den Bedürfnissen Kindern mit anderem sprachlichen und kulturellen Hintergrund beim Erstkontakt mit deutschsprachigen Institutionen entgegen, ebenso bei der Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen gibt es Fortschritte, weil es auf individuelle Entwicklung ankommt und nicht auf das Erreichen vorgegebener Leistungsziele.

Wir versuchen, jedem einzelnen Kind die Möglichkeit zu bieten, in Rücksicht aufeinander zu lernen und die eigenen und fremden Fähigkeiten, Bedürfnisse und Interessen zu akzeptieren. Alle Kinder haben individuelle Stärken und Schwächen, jedes Kind ist anders; das „Anders sein“ hat seine Berechtigung; jeder hat seinen Platz in der Gruppe und jeder kann von jedem etwas Lernen.

 

Es ist uns wichtig, dass die Kinder Kompetenzen im Sinne von Selbstkompetenz, Sozialkompetenz und Sachkompetenz erwerben.

Bei der Entwicklung der Selbstkompetenz geht es um Selbständigkeit, Eigeninitiative und die Fähigkeit für sich selbst verantwortlich handeln zu können und herausfordernde Situationen im Alltag zu meistern.

 

Sozialkompetenz bedeutet einer Gruppe anzugehören und Mitverantwortung zu tragen. Empathie für andere Menschen, Kooperationsfähigkeit und die konstruktive Auseinandersetzung mit Regeln sind weitere wichtige Elemente, um sich soziale Kompetenzen zu erwerben.

 

Sachkompetenz umfasst Urteils- und Handlungsfähigkeit in unterschiedlichen Sachbereichen. Es geht um das Erfassen von Merkmalen und Zusammenhängen und es geht aber auch um den Umgang mit Materialien in einer für die Kinder vorbereiteten Umgebung.